Rhodos Altstadt

Die Altstadt von Rhodos ist eine der größten bewohnten mittelalterlichen Städte Europas und seit 1988 UNESCO-Welterbe. Hinter rund vier Kilometer langen Mauern liegen das Ritterviertel mit Ritterstraße und Großmeisterpalast sowie das lebendige Burgum mit Sokratesstraße, Moscheen und Jüdischem Viertel. Planen Sie mindestens einen ganzen Tag ein.

LageIm Norden der Insel, Kern von Rhodos-Stadt, direkt hinter dem Handelshafen
WelterbeUNESCO-Welterbe „Mittelalterliche Stadt Rhodos“ seit 1988
Stadtmauerrund 4 Kilometer lang, insgesamt elf Tore aus verschiedenen Epochen
GliederungRitterviertel (Collachium) im Norden, Bürgerstadt (Burgum) im Süden
HighlightsRitterstraße, Großmeisterpalast, Archäologisches Museum, Sokratesstraße, Süleyman-Moschee, Synagoge Kahal Shalom
Zeitbedarfein voller Tag, mit Museen besser zwei halbe Tage
Beste Besuchszeitfrüher Morgen und Abend, Frühjahr und Herbst

Auf dieser Seite:

Was macht die Altstadt von Rhodos so besonders?

Die Altstadt von Rhodos ist kein Freilichtmuseum, sondern ein bewohntes Stadtviertel, in dem sich gotische Ritterbauten, osmanische Moscheen, jüdisches Erbe und italienische Restaurierungen auf engem Raum überlagern. Genau diese Mischung hat die UNESCO 1988 bewogen, die „Mittelalterliche Stadt Rhodos“ in die Welterbeliste aufzunehmen.

Ihre heutige Gestalt verdankt die Stadt vor allem dem Johanniterorden. Die Ritter übernahmen Rhodos 1309 und bauten die Hauptstadt in gut zwei Jahrhunderten zu einer der stärksten Festungen des östlichen Mittelmeers aus. Nach der Belagerung durch Sultan Süleyman fiel die Stadt 1522 an das Osmanische Reich; die Ordensritter mussten die Insel Anfang 1523 verlassen. Die Osmanen reparierten die Mauern, statt sie zu schleifen, und prägten vor allem die Bürgerstadt mit Moscheen, Bädern und Brunnen. Ab 1912 verwalteten die Italiener die Dodekanes-Inseln und restaurierten viele Ritterbauten – manche sehr frei nach eigenem Geschmack. Seit 1948 gehört Rhodos zu Griechenland. Mehr zu den großen Linien der Inselgeschichte lesen Sie auf unserer Seite zur Geschichte von Rhodos.

Großmeisterpalast

Der Großmeisterpalast, das Herz der Altstadt

Über allem thront am höchsten Punkt des Ritterviertels der Palast der Großmeister. Er wurde 1856 durch eine Pulverexplosion weitgehend zerstört und in den Jahren 1937 bis 1940 von den Italienern neu errichtet. Heute zeigt er Mosaiken, Möbel und Ausstellungen zur Stadtgeschichte. Alles Wichtige zu Rundgang, Tickets und Öffnungszeiten finden Sie auf unserer ausführlichen Seite zum Großmeisterpalast in Rhodos-Stadt.

Wer nur die Neustadt mit dem Mandraki-Hafen, den Hirschstatuen und den italienischen Verwaltungsbauten kennt, hat Rhodos-Stadt erst zur Hälfte gesehen. Einen Überblick über die gesamte Inselhauptstadt, ihre Strände und Viertel außerhalb der Mauern gibt unsere Seite Rhodos-Stadt.

Wie ist die Altstadt aufgebaut – Ritterviertel, Burgum und Stadtmauer?

Die Altstadt besteht aus zwei Teilen: dem Ritterviertel im Norden und der Bürgerstadt im Süden und Südwesten. Eine innere Mauer trennte beide Bereiche einst voneinander, ihre Reste sind an einigen Stellen noch zu erkennen.

Das Ritterviertel, lateinisch Collachium, war der abgeschlossene Bezirk des Ordens. Hier lagen der Großmeisterpalast, die Herbergen der einzelnen Landsmannschaften, das Hospital, die Ordenskirche und Verwaltungsbauten. Normale Bürger wohnten hier nicht. Die Stimmung ist bis heute anders als im Rest der Altstadt: breitere Gassen, wenige Geschäfte, viel Stein und vergleichsweise wenig Trubel.

Südlich davon erstreckt sich das Burgum, die eigentliche Stadt der Händler, Handwerker und Seeleute. Unter den Osmanen wurde es zum türkischen Viertel, ganz im Osten lag das Jüdische Viertel. Hier finden Sie heute die meisten Läden, Tavernen, kleinen Hotels und Wohnhäuser. Zwischen Sokratesstraße und Stadtmauer verlaufen schmale Gassen mit Schwibbögen, Innenhöfen und Kieselmosaik-Pflaster, in denen man sich gern ein wenig verläuft.

Mauer, Graben und Tore

Die gesamte Altstadt ist von einem rund vier Kilometer langen Mauerring umgeben, dem ein breiter Graben vorgelagert ist. Die Abschnitte wurden einst von den verschiedenen „Zungen“ des Ordens verteidigt, also den nach Herkunft gegliederten Landsmannschaften. Nach der großen Belagerung von 1480 verstärkten die Ritter die Anlagen mit Bastionen und Wällen, die damals als nahezu uneinnehmbar galten. Heute ist der trockene, teils begrünte Graben ein ruhiger Spazierweg, von dem aus Sie die Dimensionen der Befestigung am besten begreifen.

Insgesamt führen elf Tore in die Altstadt, nicht alle sind mittelalterlich. Das prächtige Amboise-Tor am Großmeisterpalast mit seinen beiden Rundtürmen ist der stimmungsvollste Zugang vom Westen. Das Marinetor öffnet die Stadt zum Handelshafen, das Freiheitstor (Eleftherias) am Mandraki ließen die Italiener erst 1924 durchbrechen. Wer von Süden kommt, betritt die Altstadt meist durch das Tor des heiligen Johannes oder das Tor des heiligen Athanasios.

Was sehen Sie in der Ritterstraße und im Ritterviertel?

Die Ritterstraße (Odos Ippoton) ist die bekannteste Gasse der Altstadt und eine der besterhaltenen mittelalterlichen Straßen Europas. Sie steigt vom Museumsplatz sanft zum Großmeisterpalast an und wird von den steinernen Herbergen der Ordenszungen gesäumt.

Der Johanniterorden gliederte sich nach der Herkunft seiner Mitglieder in Zungen. Seit dem 15. Jahrhundert waren es acht: Provence, Auvergne, Frankreich, Italien, Aragon, Kastilien, England und Deutschland. Jede Zunge hatte eine eigene Herberge, in der die Ritter aßen, sich versammelten und Gäste empfingen. An der Ritterstraße selbst liegen unter anderem die Herbergen von Italien, Frankreich, Provence und Spanien. Achten Sie auf die Wappen über den Portalen: Sie zeigen, welcher Großmeister oder welche Landsmannschaft das Haus errichten ließ. Die Herberge von Frankreich gilt mit ihrer verzierten Fassade als die schönste.

Das heutige Bild der Straße ist zu einem guten Teil das Ergebnis der italienischen Restaurierung im 20. Jahrhundert. Spätere Anbauten wie osmanische Holzbalkone wurden damals entfernt. Das Ergebnis wirkt fast zu perfekt, ist aber gerade frühmorgens, wenn noch keine Gruppen unterwegs sind, ein eindrucksvoller Ort. Die Gebäude sind meist nicht öffentlich zugänglich; einige werden für Ausstellungen oder Behörden genutzt.

Ritterhospital und Archäologisches Museum

Am unteren Ende der Ritterstraße steht das große Hospital der Johanniter. Der Bau wurde 1440 begonnen und unter Großmeister Pierre d’Aubusson im späten 15. Jahrhundert vollendet. Um einen arkadengesäumten Innenhof liegen Lagerräume, im Obergeschoss befindet sich der lange Krankensaal. Heute beherbergt das Gebäude das Archäologische Museum von Rhodos. Zu den bekanntesten Stücken zählen die kauernde Aphrodite aus dem 1. Jahrhundert v. Chr., ein Kopf des Sonnengottes Helios und ein hellenistisches Kieselmosaik mit Bellerophon im Kampf gegen die Chimäre. Planen Sie für das Museum gut eine Stunde ein; der Garten ist eine willkommene schattige Pause.

Gegenüber liegt die Kirche Panagia tou Kastrou, die einstige Ordenskathedrale, in der heute eine byzantinische Sammlung zu sehen ist. Vom Museumsplatz führen die Gassen nach Süden direkt in die Bürgerstadt.

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Was erwartet Sie in Sokratesstraße, Hippokrates-Platz und Süleyman-Moschee?

Die Sokratesstraße (Odos Sokratous) ist die belebte Einkaufsstraße der Altstadt und verbindet den Hafenbereich mit der Süleyman-Moschee. Hier reihen sich Juweliere, Lederwaren, Gewürze, Souvenirs und Cafés aneinander – ein Basar mit langer Tradition.

Lohnend ist ein Blick nach oben: Viele Häuser tragen noch hölzerne Erker und Balkone aus osmanischer Zeit. Wer sich vom Angebot nicht ablenken lässt, erkennt in der Sokratesstraße den alten Handelsweg zwischen Hafen und Oberstadt. Abends, wenn die Tagesgäste weg sind, wird die Straße deutlich ruhiger.

Am oberen Ende steht die rosafarben verputzte Süleyman-Moschee. Ein erster Bau entstand kurz nach der osmanischen Eroberung von 1522, die heutige Moschee wurde 1808 nach dem alten Vorbild neu errichtet. Nach umfangreichen Restaurierungen ist sie vor allem von außen zu bewundern, das Innere ist nur zu besonderen Anlässen geöffnet. Gegenüber liegt die Bibliothek des Hafiz Ahmed Aga aus dem 18. Jahrhundert mit wertvollen osmanischen und arabischen Handschriften und einem stillen Innenhof. Ganz in der Nähe ragt der Uhrturm auf, von dem Sie bei Öffnung einen schönen Blick über die Dächer der Altstadt haben.

Hippokrates-Platz

Hippokrates-Platz mit Eulenbrunnen

Bergab mündet die Sokratesstraße in den Hippokrates-Platz, das Herz der Bürgerstadt. In seiner Mitte plätschert ein Brunnen, der zu den beliebtesten Fotomotiven der Altstadt gehört. Die Freitreppe an der Platzseite gehört zur Kastellania, dem einstigen Handelsgericht der Ritter. Von hier aus lohnen sich Abstecher in die Gassen Richtung Süden, etwa in die Pythagorasstraße oder die Agiou-Fanouriou-Gasse mit ihren Steinbögen. Rund um den Platz liegen auch mehrere Cafés, an denen Sie das Treiben bei einem griechischen Kaffee beobachten können.

Was erinnert heute an das Jüdische Viertel?

Im Osten der Altstadt lag La Juderia, das Jüdische Viertel von Rhodos. Sein wichtigstes Bauwerk ist die Synagoge Kahal Shalom aus dem Jahr 1577, die als älteste Synagoge Griechenlands gilt.

Über Jahrhunderte lebte hier eine große sephardische Gemeinde, deren Vorfahren nach der Vertreibung aus Spanien in das Osmanische Reich gekommen waren. Nach der Übernahme der Insel durch die Wehrmacht wurden im Juli 1944 rund 1.700 Jüdinnen und Juden aus Rhodos deportiert, die allermeisten von ihnen wurden ermordet. An das Verbrechen erinnert ein Mahnmal auf dem Platz der Jüdischen Märtyrer (Platia Evreon Martyron), wo jedes Jahr im Juli der Opfer gedacht wird.

Die Synagoge Kahal Shalom liegt in der Simiou-Straße. Ihr Inneres mit den Bänken an den Seitenwänden und dem Kieselmosaikboden ist schlicht und eindrucksvoll. In Nebenräumen zeigt das 1997 gegründete Jüdische Museum Fotos, Dokumente und Alltagsgegenstände der Gemeinde. Gottesdienste finden heute vor allem im Sommer statt, weil auf der Insel nur noch wenige jüdische Familien leben. Aktuelle Hinweise veröffentlicht das Jüdische Museum Rhodos. Bitte denken Sie an angemessene Kleidung.

Wie planen Sie Ihren Besuch in der Altstadt am besten?

Kommen Sie früh am Morgen oder am späten Nachmittag und meiden Sie, wenn möglich, die Stunden, in denen große Kreuzfahrtschiffe im Hafen liegen. Dann sind Ritterstraße und Sokratesstraße oft dicht gefüllt.

Kreuzfahrt-Tage und Tageszeit

Rhodos ist im Sommer ein beliebter Anlaufhafen für Kreuzfahrten. Die Schiffe legen direkt vor der Stadtmauer an, und die Gäste strömen zwischen etwa Vormittag und Nachmittag durch die bekannten Gassen. Ein Blick auf die Hafenbelegung oder einfach auf die Pier lohnt sich: Liegen mehrere große Schiffe dort, verlegen Sie den Rundgang auf den Abend oder einen anderen Tag. In der Mittagshitze von Juli und August ist die Altstadt ohnehin anstrengend, weil die Steine die Wärme speichern. Wie warm es in den einzelnen Monaten wird, zeigt unsere Seite zu Klima und Wetter auf Rhodos.

Schuhe, Wege und Orientierung

Das Pflaster aus runden Kieseln und glatt gelaufenen Steinen ist uneben und bei Nässe rutschig. Tragen Sie feste, flache Schuhe mit griffiger Sohle; Absätze und dünne Sandalen sind keine gute Idee. Kinderwagen und Rollstühle kommen auf den Hauptachsen voran, in vielen Nebengassen wird es mühsam. Verirren ist kaum möglich: Die Stadtmauer begrenzt das Gebiet, und nach wenigen Minuten erreichen Sie immer wieder eine bekannte Straße oder einen Platz.

Ein sinnvoller Rundgang

Ein bewährter Weg beginnt am Freiheitstor beim Mandraki-Hafen. Von dort gehen Sie zum Museumsplatz mit Ritterhospital, steigen die Ritterstraße hinauf zum Großmeisterpalast und verlassen das Ritterviertel zur Süleyman-Moschee. Weiter geht es die Sokratesstraße hinab zum Hippokrates-Platz und ins Jüdische Viertel. Den Abschluss bildet ein Spaziergang durch die südlichen Gassen und durch den Graben zurück. Ohne Museumsbesuche brauchen Sie dafür etwa drei bis vier Stunden in gemächlichem Tempo.

Abends in der Altstadt

Wenn es dunkel wird, zeigt sich die Altstadt von ihrer schönsten Seite. Die angestrahlten Mauern, die Tavernen in den Gassen südlich der Sokratesstraße und die ruhigen Plätze laden zum Bummeln ein. Abseits der Hauptwege finden Sie einfache Lokale mit griechischer Hausmannskost, in denen auch Einheimische essen. Kulturinteressierte schauen, ob das Volkstanztheater Nelly Dimoglou Vorstellungen anbietet, das traditionelle Tänze der griechischen Inseln zeigt.

Wer die Stimmung nach Einbruch der Dunkelheit und am frühen Morgen erleben möchte, übernachtet am besten direkt hinter den Mauern. Viele kleine Hotels und Pensionen in restaurierten Häusern haben nur wenige Zimmer und einen persönlichen Charakter. Passende Unterkünfte in der Altstadt und in Rhodos-Stadt finden Sie in unserer Übersicht zu Hotels auf Rhodos.

Häufige Fragen zur Altstadt von Rhodos

Kostet der Besuch der Altstadt Eintritt?

Nein, die Gassen, Plätze und der Graben sind frei zugänglich, schließlich wohnen hier Menschen. Eintritt zahlen Sie nur für einzelne Sehenswürdigkeiten wie den Großmeisterpalast, das Archäologische Museum oder die Synagoge.

Wie viel Zeit sollte ich für die Altstadt einplanen?

Für einen ersten Rundgang reichen drei bis vier Stunden. Wenn Sie Großmeisterpalast und Archäologisches Museum besichtigen und in Ruhe essen möchten, sollten Sie einen ganzen Tag oder zwei halbe Tage einplanen.

Kann man auf der Stadtmauer spazieren gehen?

Der Wehrgang auf der Mauerkrone ist nicht dauerhaft frei begehbar und war in den vergangenen Jahren nur zeitweise geöffnet. Fragen Sie vor Ort an der Kasse des Großmeisterpalastes nach dem aktuellen Stand. Der Spaziergang durch den Graben ist dagegen jederzeit möglich.

Wann ist die beste Reisezeit für die Altstadt?

Am angenehmsten sind die Monate April bis Juni sowie September und Oktober. Dann ist es warm, aber nicht drückend heiß, und es sind weniger Menschen unterwegs als im Hochsommer.

Ist die Altstadt am Abend sicher?

Die Altstadt gilt auch abends als sicher und ist bis spät in die Nacht belebt. Wie in allen Touristenzentren sollten Sie in dichtem Gedränge auf Ihre Wertsachen achten.